3. Verschiedene Materialien

Fingerhüte nach dem Gesichtspunkt des Materials zu sammeln, ist eine der vielen Möglichkeiten, eine Sammlung zu strukturieren. Daraus erwachsen verschiedene Sammelgebiete - es gibt Fingerhüte aus edlen und unedlen Metallen, aus Leder, aus Holz, aus Horn, Porzellan, Bakelit, Emaille, Elfenbein, Schildpatt, Stein, Glas und und und. In Beates Sammlung finden sich Fingerhüte aus Porzellan, Keramik, Stahl, Zinn, Kupfer, Messing, Silber, Gold, Holz, Glas, Leder, Mammut-Elfenbein, Bakelit, Perlmutt, Jade, Bernstein, Alabaster, Horn, Stechginster und Riesenkohl.

 

3.1. Antikes

römischer Fingerhut oder Nähring aus Bronze oder Kupferblech, cirka 1000 Jahre altrömischer Fingerhut oder Nähring aus Bronze oder Kupferblech, cirka 1000 Jahre altDie ältesten in Europa gefundenen Fingerhüte sind cirka 1200 Jahre alte spätrömische Nähringe aus Bronze. Auch bei dem ältesten Stück in Beates Sammlung handelt es sich um einen Nähring oder einen Fingerhut ohne Kuppe. Laut Edwin F. Holmes (Fingerhüte, Stuttgart 1980) ist "die Datierung eines frühen Metallfingerhuts (mit) beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden. Ein Katalog des British Museum weist darauf hin, dass ältere Stücke weniger fein gearbeitete Vertiefungen tragen als solche neueren Datums. Dies mag als Richtlinie gelten, eine Regel lässt sich damit nicht aufstellen." Fundort und Begleitumstände, so folgert Holmes, gäben die zuverlässigsten Hinweise auf das Alter. Im Falle von links abgebildetem Stück ist das ganz schwierig: Wir wissen nur, dass es 1993 von einem Trierer Antikhändler als "römischer Fingerhut (Metall) ohne Kuppe, evtl Nähring, Fundort: Mosel-Kanalisation" verkauft wurde. Trier an der Mosel fiel Ende des 5. Jahrhunderts an die Franken. Obwohl die ältesten in Europa gefundenen Fingerhüte jünger sind, ist nicht ernsthaft anzunehmen, dass solche Gebrauchsgegenstände tatsächlich 250 Jahre lang unverändert gefertigt wurden. Dem fein geschlagenen Muster nach müsste er auch deutlich jünger sein. Mit der Altersangabe "cirka 1000 Jahre" werden wir uns also vorerst zufrieden geben müssen. Übrigens sollte man nicht denken, dass solche Stücke rare Kostbarkeiten wären. Sie finden sich immer wieder bei Antikhändlern. Nachbildungen antiker Fingerhüte werden oft für weniger als zehn Euro von Museen angeboten.

Auch nach dem Ende des römischen Imperiums wurden überwiegend Metalle eingesetzt, bei Naturvölkern auch Leder, Horn und Holz. Dabei hatten besonders edle Metalle den Nachteil, dass sie zu weich waren. Das brachte beispielsweise Charles Horner auf die Idee, einen Silberfingerhut mit Stahlkern, den Dorcas, zu erfinden. Vor allem Schmuckfingerhüte und später natürlich die Souvenirfingerhüte wurden nicht zum alltäglichen Gebrauch hergestellt.

 

3.2. Silber

Fingerhut aus Silbergeflecht mit emailliertem Medaillon. Handarbeit, Ukraine 2004.Fingerhut aus Silbergeflecht mit emailliertem Medaillon. Handarbeit, Ukraine 2004.fingerhut 08 03Fingerhut aus Silbergeflecht mit Bernstein. Einzelstück, Nikolaj Dedaj, Kroatien, 2006fingerhut 09 06Fingerhut aus Sterlingsilber mit Pflanzenornament, James Swann & Son., Birmingham 1984.Fingerhüte aus Silber bilden ein vollkommen eigenständiges und breit gefächertes Sammelgebiet, da sie früher weit verbreitet waren. Vor allem das besser gestellte Bürgertum gab dem Silberfingerhut trotz der relativen Weichheit des Materials den Vorzug. Das Silber wurde durch den Zusatz von Kupfer härter gemacht. Wahrscheinlich wurden Silberfingerhüte bereits im Mittelalter benutzt. Silberfingerhüte der Neuzeit werden in der Regel aus einer großen Scheibe Silberblech gepresst und dann erhitzt, um die Spannungen im Material zu vermindern. Anschließend wird der Fingerhut auf einen Stahlrohling gesetzt und dann können Muster eingewalzt oder Formen gedreht werden. Als im 19. Jahrhundert regelrechte Fingerhutfabriken entstanden, die auch industriell Fingerhüte fertigten, kam es geradezu zu einer Massenverbreitung auch von Silberfingerhüten. Besonders die Engländer und Amerikaner taten sich dabei hervor.

fingerhut 10 03Fingerhut aus gebürstetem Sterlingsilber mit Spektrolit, Juho Käkelä, Finnland, 2004In Beates Sammlung finden sich Silberfingerhüte der Firmen Henry Griffith & Sons, James Swann & Sons (Foto unten links), und Charles Horner (darunter auch einige Dorcas-Fingerhüte). Der vermutlich älteste Silberfingerhut ihrer Sammlung ist einer mit der Punzierung der Stadt Chester aus dem Jahr 1886. Maschinell hergestellte Fingerhüte zeichnen sich im Regelfall durch ihre Großflächigkeit aus. In Kleinserie und von Hand werden auch Fingerhüte hergestellt, deren Körper ein filigranes Geflecht aus Silberdraht bildet. Nur die Kappe in verschiedenen Formen und Größen sind flächig gearbeitet. Solche Fingerhüte gab es in England schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie werden noch heute gerne als Souvenirfingerhüte hergestellt. In Russland und der Ukraine halten sie auf der Frontseite ein kleines Medaillon aus Emaille oder billiger Plaste, oft auch als Kopfstein wiederholt. Andere tragen auf dem Silbergeflecht grundsätzlich einen Schmuckstein - sie werden meist nicht zum Gebrauch sonder ausschließlich als Schmuck hergestellt.

Bis heute gibt es Silberschmiede, die Silberfingerhüte als Einzelexemplare oder in Kleinserie herstellen. Der bekannteste in Deutschland dürfte Thorvald Greif sein, andere Exemplare aus Beates Sammlung stammen von Nikol Dedaj (Kroatien; Foto oben rechts), aus ukrainischen Manufakturen (oben links) und vom Finnen Juho Käkelä (unten rechts). Dieser Fingerhut wurde als Kleinserie für den Verein "Freunde des Fingerhuts" im Jahr 2004 hergestellt. Er besteht aus traditionellem Sterlingsilber, das ganz modern matt gebürstet wurde und zeigt auf der Vorderseite einen stilisierten Wasserfall, auf der Rückseite den Schriftzug "FdF" und die Jahreszahl 2004.

 

3.3. Emaille

fingerhut 08 06Cloisonné-Fingerhut aus Messing, um 2000 - 42 mm (!) hoch.fingerhut 09 02Cloisonné-Fingerhut mit Elefantenmotiv, um 2005
Emaillierte Fingerhüte
sind natürlich streng genommen nichts anderes als Fingehüte aus Metall. Nur ganz selten werden andere Werkstoffe als Untergrund für die Schmelze verwendet. Beim Emaillieren wird die sogenannte Fritte, ein Gemisch aus Quarz, Feldspat, Borax, Soda, Pottasche, Aluminiumoxid, Haftoxide, Trübungsmittel und Flußmittel auf das Metall aufgeschmolzen. Durch die Zugabe von Schwermetallen oder Farbkörpern wird die Emaille beliebig eingefärbt. Emaillierte Schilder auf Metallfingerhüten wurden im vergangenen Jahrhundert oft in der Produktion von Souvenirfingerhüten angewendet.

Eine besondere Technik der Emaille-Kunst ist die sogenannte Zellschmelze, auch Steg-Emaille oder Cloisonnè-Technik genannt. Dabei wird die Emaille flüssig aufgetragen. Dünne Stege aus Draht begrenzen den Fluss der Schmelze, die Stege werden zuvor auf den Rohling aufgelötet und sind danach noch zu sehen, manchmal sogar als erhabene Stellen zu fühlen. Diese Technik wurde bereits im 14. Jahrhundert von den Chinesen praktiziert. Sie wird heute noch gerne und oft eingesetzt, dabei entstehen sehr farbenfrohe und prachtvolle Fingerhüte, die auch außergewöhnliche Formen haben - wie z.B. von Eulen- oder anderen Vögeln. Das links stehende Bild zeigt einen Cloisonnè-Fingerhut vom Anfang unseres Jahrhunderts in der seltenen Größe von 42 Millimetern. Der rechts stehende Hut in einem 24-mm-Normalmaß zeigt ein beliebtes Motiv von Sammler-Fingerhüten - einen Elefanten. Es gibt Sammler, die haben sich einzig und allein auf dieses Sammelmotiv spezialisiert. Ähnlich beliebt sind Eulen und Schildkröten.

An dieser Stelle noch eine große Bitte an die Freunde des geschriebenen Wortes: Man sagt die Emaille oder das Email. Will man hingegen elektronische Post per Internet versenden, dann schickt man eine E-Mail (Electronic Mail). Es verursacht aufrecht stehende Nackenhärchen, wenn man das ohne Bindestrich schreibt - das geht ja nun gar nicht.

 

3.4. Porzellan

fingerhut 08 07Porzellan-Fingerhut der Marke Herend, Herend, Ungarn 2002fingerhut 08 04Porzellan-Fingerhut der Marke Herend, Herend, Ungarn 2002
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ingerhüte aus Porzellan tauchen in der Kulturgeschichte des Fingerhuts erst sehr spät auf.

Das Material galt als zu zerbrechlich, um ernsthaft als Fingerhut benutzt zu werden. Erst mit dem Aufkommen von Fingerhüten als Souvenir wurde auch Porzellan verwendet. Inzwischen gelten Fingerhüte berühmter Porzellanmarken (wie etwa Meißen in Deutschland, Wedgwood und Birchcroft in England, Herend in Ungarn und Augarten in Österreich) als eigenständiges Sammelgebiet. Bei einem Besuch in der Herender Manufaktur im Herbst 2003 kaufte sich Beate ein Belegexemplar (Foto links). Die ungarische Manufaktur wurde 1826 gegründet und empfahl sich nach großen Ausstellungserfolgen als Lieferant für den europäischen Erb- und Geldadel. 1872 wurde die Manufaktur zum k.u.k.-Hoflieferanten ernannt und 1948 verstaatlicht. Heute ist Herend als größte ungarische Porzellanmanufaktur eine Aktiengesellschaft, die zu 75 Prozent den insgesamt 1700 Mitarbeitern gehört.

Auch Longton Hall fällt unter die berühmten Porzellan-Marken. Stücke der Firma im englischen Staffordshire gelten als äußerst rar und teuer, produzierte die Marke doch lediglich von cirka 1749 bis 1760. Uns ist erst 2010 ein Fingerhut "in die Hände gefallen", der schon seit 2003 die Sammlung ziert - ein Zufallsfund beim Internet-Auktionshaus Ebay. Der Fingerhut ist offenbar eine Replik der Firma Longton Hall (unten rechts) - er trägt im Innern die Porzellanmarke von Longton Hall, ist aber leicht ersichtlich schlicht und einfach bedruckt. Ob Longton Hall jemals Fingerhüte herstellte, ist uns nicht bekannt. Falls ein Porzellansammler uns bei der Antwort auf die Frage nach dem tatsächlichen Hersteller des Hutes helfen kann, wären wir sehr dankbar.

Porzellanfingerhüte werden nicht nur in den verschiedensten Porzellanarten (wie Biskuitporzellan oder Bone China), sondern auch in den verschiedensten Techniken hergestellt. In Beates Sammlung finden sich Fingerhüte mit aufgesetzten Dekorelementen aus Porzellan oder Metall ebenso wie solche mit Kopfsteinen, handbemalte oder durchbrochene (Foto rechts). Bei letzterer Technik wird der Porzellanrohling behutsam mit dem Messer regelrecht ausgeschnitten, bevor er zum Glühbrand kommt. Erst danach erhält er die Glasur. Durchbrochene Fingerhüte sind relativ selten, die Technik wird unter anderem von mehreren kleineren Manufakturen in Ungarn gepflegt.

fingerhut 1007Replik der Firma Longton Hall, England, vor 2003fingerhut 09 10Agatware von Tony Bouchet, St. Queen, Jersey Islands, um 1990
Eine weiter Besonderheit unter den Porzellanen ist die sogenannte Agatware.

Die offizielle Tourismus-Behörde der Kanalinsel Jersey lobt die Töpferei so: "Die einzige Achattöpferei der Welt! Die hier hergestellten Arbeiten basieren auf einem Prozess, den nur ein Mensch auf der Welt kennt: Künstler Tony Bouchet. So sind seine Stücke dann auch für kundige Sammler ebenso interessant wie für den eifrigen Souvenirjäger."

Bei der Achattöpferei wird nach unseren Recherchen marmorierter weißer Ton mit Metalloxiden gemischt. Wie das wirklich passiert, behält Tony Bouchet allerdings für sich. Das Achat-Porzellan (Agatware) gibt es inzwischen seit 1969. Es zeichnet sich dadurch aus, dass die Farbverläufe (siehe Foto links) nicht reproduzierbar und damit individuell wie ein Fingerabdruck sind. Mit anderen Worten: Jedes Stück ist ein absolutes Unikat. Obwohl die Agatware von Bouchet naturgemäß selten ist - eine einzige Töpferei der Welt stellt sie her, gelten die Stücke als erschwinglich. Ob Fälschungen auf dem Markt unterwegs sind, kann man nur schwer sagen - wir haben noch nichts davon gehört. Da es zu unseren Agatware-Stücken von Bouchet noch einen Kassenzettel der Töpferei gibt, sehen wir die Echtheit als gegeben an. Die Aufschrift auf der ovalen Porzellanmarke im Innern der Fingerhüte ist goldfarben und lautet: Bouchet Original Agateware Jersey British Isles.

 

3.5. Glas

fingerhut 08 01Fingerhut aus venezianischem Glas, Rom, 2002fingerhut 08 12Fingerhut aus venezianischem Glas, Rom, 2002

Fingerhüte aus Glas
sind sehr selten wirklich zum Nähen hergestellt worden. Ein signifikantes Merkmal ist die Oberfläche - ist sie angeraut, dann könnte es sich um einen Gebrauchsfingerhut handeln. Solche Stücke gibt es unter anderem im Britischen Museum (Kristall mit Kreuzschraffierungen) und in einigen Privatsammlungen. Auch venezianisches und böhmisches Glas wurde zur Fingerhutherstellung verwendet. In Beates Sammlung findet sich nur eine Handvoll Fingerhüte aus Glas als Belegexemplare für das Material - sie bilden kein eigenständiges Sammelgebiet.

Der links stehende Fingerhut ist aus venezianischem Glas und mit handbemalten Blumen verziert. Er wurde 2002 in Rom gekauft.

Das rechts abgebildete Stück stammt von einem Händler in Südengland. Warum einfachste Fingerhüte, die vermutlich aus Pressglas sind, dennoch oft von Hand bemalt werden, erschließt sich uns noch nicht ganz. Möglich, dass das Material für einen Druck völlig ungeignet ist. Vielleicht können uns ja andere Sammler einen Hinweis darauf geben?!

 

3.6. Bernstein

fingerhut 08 08Fingerhut aus reinem Bernstein, Juwelier Kintzel, Binz auf Rügen, 2006Fingerhüte aus Bernstein (engl. Amber) gelten selbstverständlich auch als Schmuckfingerhüte. Es ist nicht anzunehmen, dass mit ihnen jemals ernsthaft genäht wurde. Um gleich mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen: Bernstein, obowhl gerne in der Schmuckindustrie angewendet, ist weder ein Edel- noch ein Halbedelstein. Er wird zwar seit Menschengedenken als Schmuck verarbeitet, ist aber weder ein Mineral, noch ein Gestein. Bei Bernstein handelt es sich um fossiles Harz, das nicht selten älter als 200 Millionen Jahre ist.

Der im Handel angebotene "Echtbernstein" ist oft ein aus Schleifresten und kleinen Stücken gepresster Bernstein. Durch verschiedene Drücke und Temperaturen lassen sich verschiedene Klarheiten und Trübungen herstellen. Die verschiedenen Bernsteinarten sind nur durch spezielle Untersuchungen voneinander zu unterscheiden.

Der hier vorgestellte Bernstein-Fingerhut wurde 2006 bei einem Juwelier in Binz gekauft.

Warnen möchten wir vor dem Kauf von besonders billigem "Bernstein". Meist handelt es sich um bernsteinfarbene Kunststoffe. Zur Prüfung der Echtheit gib es vor allem drei Methoden:

1. Feuer: Bernstein ist brennbar, daher auch der Name, abgeleitet von Brennstein. Er verbrennt mit typisch harzigem Geruch.

2. Die Nagelprobe: Fährt man mit einem z.B. per Feuerzeug erhitzten Nagel über Bernstein, wird er schmierig und riecht nach dem Ausgangsprodukt Harz. Allerdings beschädigt man mit der Nagelprobe den Schmuck.

3. UV-Licht: Die einzige berührungsfreie und sichere Methode zur Identifizierung besteht in der Bestrahlung mit einer UV-Lampe. Echter Bernstein strahlt unter UV-Licht weiß-blau. Plastik kann das nicht.

 

3.7. Jade

fingerhut 08 09Fingerhut aus Jade, handbemalt, Toskana/Italien, 2001Fingerhüte aus Jade (engl. Jadeite oder Jade) gehören selbstverständlich auch zu den Schmuckfingerhüten, obwohl das Material immerhin hart genug ist, dass es vor tausenden von Jahren in China als Spitzen von Werkzeug und Waffen verwendet wurde. Jade wird als Bezeichnung für das Material Jadeit und Nephrit verwendet. Doch Achtung - wenn im seriösen Edelsteinhandel von Jade gesprochen wird, handelt es sich stets um echten Jadeit. Alle Jaden mit Beinamen wie russische Jade, koreanische, kalifornische und indische sind falsche Jaden. Hinter ihnen verbergen sich Mineralien wie Vesuvian oder Aventurin. Die größten Jade-Vorkommen befinden sich in China und in Burma (Myanmar).

Aus Jade wurde seit Jahrtausenden Schmuck hergestellt, teilweise in großen Tafeln zur Verblendung von Behältnissen oder als große Statuen, die aus einem Stück gehauen wurden. Der territoriale Schwerpunkt für die Jadeschmuck-Industrie liegt naturgemäß in China.

Jade als Material für Figerhüte aus einem Stück ist relativ selten. Wesentlich leichter zu finden sind Kopfsteine oder Schmucksteine in Fingerhüten aus Jade. Das abgebildete Exemplar fand Beate in einer kleinen Boutique in Vinci bei Florenz.

 

3.8. Elfenbein

fingerhut 09 03Fingerhut aus Mammut-Elfenbein, Handarbeit, Russland, 2001Fingerhüte aus Elfenbein wurden schon vor Jahrtausenden angefertigt. Erste Funde von Elfenbein-Fingerhüten stammen angeblich aus der Jungsteinzeit und aus der Gegend um Moskau herum. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, dass der Fingerhut kulturgeschichtlich mit dem Nähen entstanden ist und die ersten Nähutensitilien aus den Knochen erbeuteter Tiere hergestellt wurden.

VORSICHT! Der Handel mit Elfenbein ist seit 1989 streng verboten, und wurde 1997 nur unter der Voraussetzung wieder erlaubt, das für das Elfenbein ein Cites-Zertifikat vorliegt!

Mammut-Elfenbein wird heute bei der Produktion von Implantaten für die chirurgische Medizin, in der Musik (es gibt nicht nur Verzierungen, sondern ganze Flöten aus Mammut-Elfenbein) sowie bei der Schmuckherstellung (vor allem Piercings, Einlegearbeiten und Verzierungen) verwendet. Bei Mammutelfenbein greifen die strengen Bestimmungen des Artenschutzes natürlich nicht. Der Grund ist einleuchtend: Mammut-Elfenbein ist fossil - dafür müssen weder Elefanten noch sonstige lebende Tiere getötet werden. Und Mammut-Elfenbein ist bei weitem nicht so selten, wie sein Alter vermuten lässt. In Jakutien werden noch bis heute 30 bis 50 Tonnen (!) Mammut-Elfenbein jährlich aus dem ewigen Eis des Polarkreises geborgen. Interessant: Die wissenschaftliche Akademie Russlands schätzt das Vorkommen von Mammut-Elfenbein an der arktischen Küste in Nordsibirien auf rund 500.000 Tonnen. Demnach müssten einmal fünf Millionen Mammuts jenseits des Polarkreises an einer 1000 km langen Küste gelebt haben. Das Alter des Mammut-Elfenbeins, das unter Eisschichten mit einer Dicke von bis zu 1,5 Kilometern sein prähistorisches Geheimnis bewahrt hat, liegt zwischen 40.000 und einer Million Jahren. Allein das macht das Material natürlich faszinierend.

Das links stehende Stück stammt aus Mammut-Elfenbein und wurde um 2000 in Russland hergestellt. Er entstand in Handarbeit, wobei Bein verschiedener Stücke wie eine Intarsienarbeit ineinandergesetzt und dann verschliffen wurde.

 

3.9. Holz und Pflanzen

fingerhut 09 05Fingerhut aus Kohl, Jersey, cirka 1990fingerhut 09 07Unbezeichnetes Furnierholz, Jersey, cirka 1990fingerhut 10 08Fingerhut aus afrikanischem Hartholz, Ruanda, um 1990

Fingerhüte aus Holz und anderen pflanzlichen Materialien
gehören ähnlich wie die aus Knochen und (Elfen-)Bein zu den ältesten Fingerhüten überhaupt. Das hängt mit der Zugänglichkeit des Materials ebenso zusammen wie mit den Möglichkeiten seiner Bearbeitung.

Eine Besonderheit und absolute Rarität dürfte dabei das links stehende Stück sein: Es entstand aus Kohl! Genauer gesagt, aus dem auf der Kanalinsel Jersey wachsenden Riesenkohl (Giant Jersey Cabbage / brassica oleracea longata, in einigen Quellen auch "Spazierstockkohl" genannt). Der Riesenkohl ist eine sehr seltene Pflanze, die auf der Insel Jersey seit 1827 heimisch ist.

Heute wird der massive Stängel der mehr als drei Meter hohen Pflanze von den Jersey Woodturners, die das alleinige Verkaufsrecht haben, zu Spazierstöcken (Cabbage Walking Sticks) verarbeitet. Offenbar dienen Teile der Pflanze auch als Rohmaterial für Fingerhüte. Nebenstehendes Exemplar wurde 1991 bei L'Etacq Woodcrafts in St. Queen auf Jersey gekauft. Auf der Messingplatte steht "Jersey Cabbage". Die Platte verschließt übrigens nicht, wie zu vermuten, ein offenes Rohrstück, sondern der Fingerhut ist oben geschlossen. Er hat eine Höhe von 26,6 mm und wiegt zwei Gramm.

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