4. Die Dorcas-Fingerhüte

Dorcas-Fingerhüte bilden ein spezielles Sammelgebiet. Es handelt sich um Silberfingerhüte mit Stahlkern. Reine Silberfingerhüte hatten das Problem, zu weich zu sein. Deswegen kam Charles Horner in Hebden Bridge, Yorkshire (später in Halifax) auf die Idee, einen robusten Stahlkern mit Silber zu umhüllen. Das Verfahren ließ er sich 1884 patentieren (Patent Nummer 8954). Die ersten Dorcas-Fingerhüte trugen nicht den Namen Dorcas, sondern nur die registrierte Design-Nummer (rd. no.) oder "pat." (Eintragung als Patent). Der frühe Dorcas (etwa bis 1890) trug eine gewölbte Kuppe, später oft eine abgeflachte.

fingerhut 07 11Ein echter Dorcas von Charles Horner (etwa 1910). Im Inneren trägt er die Punzierung: DORCAS, CH (für Charles Horner) und 9 (für die Größe).fingerhut 09 01Ein echter Dura von Walker & Hall aus Sheffield, 1901 produziert. Er trägt die Punzierung: DURA, 6 (für die Größe) und W&H.

Schon vor Charles Horner kamen Fingerhütner auf die Idee, Fingerhüte aus Messing, Silber oder Gold mit einer Kappe aus Eisen oder Stahl auszustatten, um sie vor vorzeitiger Abnützung zu schützen. Dorcas-Fingerhüte jedoch sind besser ausgewogen, als solche mit Eisen- oder Stahlkappe, weil sich das Gewicht gleichmäßig über den ganzen Fingerhut verteilt. Da diese Fingerhüte mit einem Stahlkern versehen sind, dürfen sie keinen Feingehaltsstempel tragen, doch finden sich oft die Markennamen wie "Dura", "Dreema" (von Henry Griffith, Leamington), "Dorcas" oder "Little Dorcas". Der Preis eines Dorcas-Fingerhutes wurde in der Anzeigenspalte einer Frauenzeitschrift in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit zwei Schilling und sechs Pence angegeben. Dorcas-Fingerhüte kosten heute zwischen 20 und 80 Euro, je nach Alter, Hersteller und Erhaltungsgrad

Charles Horner stellte auch Fingerhüte aus solidem Silber und Gold her, diese trugen die Initialen CH und üblicherweise die Beschaumarke von Chester. 1896 starb Charles Horner, das Geschäft wurde von J.D. und C.H. Horner weitergeführt. Der Dorcas wurde weiter produziert, ab 1905 als verbesserte Variante unter dem Namen improved (verbessert). Die Patent- und Designnummern ließ man später fallen: Nachfolgende Fingerhüte bekamen den Stempel mit dem Namen "Dorcas", dem Zeichen "CH" und einer Nummer für die Größe.

(Autor: Klaus Jäger; Quellen: Sammlung Beate Jäger; Bridget McConnell, Fingerhüte, Karl Müller Verlag 1996; Edwin F. Holmes, Fingerhüte, Paul Haupt Bern und Stuttgart 1980)

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