5. Russische Lackmalerei auf Fingerhüten

Ein weiteres Feld in der Sammlung Beate Jäger bilden Fingerhüte mit russischer Lackmalerei.

Die Lackkunst ist schon 4000 Jahre alt und wurde - wen wundert's? - in China erfunden. Die Chinesen nämlich benutzten als erste den Saft des Lackbaumes als Schutz und Schmuck von Geräten und Bauwerken sowie als Bindemittel für Farben. Berühmt wurde später vor allem die japanische und die russischer Lackkunst. In Russland waren es vor allem die Ikonenmaler, die die Techniken und Fertigkeiten über Jahrhunderte perfektionierten. Palech, ein kleines Städtchen nordöstlich von Moskau, war im 18. Jahrhundert das Zentrum schlechthin für die Ikonenmalerei. Dort wurde auch die Lackminiaturmalerei auf kleinen Kästchen aus Pappmaché so perfektioniert, dass inzwischen international der Begriff des "Palekh Painting" als Synonym für russische Lackmalerei steht.

fingerhut 07 12Russische Lackmalerei (Palekh Painting) auf Holz, cirka 2000, "Punzierung": Swerjata (kyrillische Schrift, übers.: Tierchenfingerhut 09 08Russische Lackmalerei auf Holz, cirka 2000, mit Echtgold (3K)

Die aufwändigsten der kleinen Kistchen und Kästchen mit Lackmalerei werden bis zu einem Jahr lang bearbeitet. Von den Malern wird noch höhere Präzision und Kunstfertigkeit verlangt als von den Porzellanmalern.

Die Fingerhüte mit russicher Lackmalerei basieren überwiegend auf gedrechselten und geschliffenen Fingerhüten aus weichem Holz. Sie werden, wie die Kistchen auch, in einem komplizierten Verfahren mit mehreren Lackschichten überzogen und mit leuchtenden Temperafarben bemalt. Motive sind häufig bäuerliche Szenen, Landschaften und Tiere. Besonders schön sind jedoch die Fingerhüte mit Märchenmotiven - fast ausschließlich aus dem reichen russischen Märchenschatz. Der links stehende hat die kyrillische Aufschrift "Swerjata", auf deren Übersetzung uns erst im Dezember 2009 eine Leserin dieser Internetseite per Gästebuch aufmerksam machte - danke Daria!

Fingerhüte mit russischer Lackmalerei bekommt man sehr preiswert in Russland oder den ehemaligen UdSSR-Staaten selbst, oft auch in russischen Souvenirläden. Aber Achtung: Man muss sie schon von einfachen bemalten Holzfingerhüten zu unterscheiden wissen. Doch das ist für jeden sehr einfach, der einmal auf den sagenhaften Detailreichtum echter Lackmalerei geachtet hat. Der Grundstock zu Beate Jägers Teilsammlung stammt aus Souvenirläden auf der Krim und in Odessa, der Rest wurde bei anderen Fingerhutsammlern oder bei Ebay zusammengetragen.

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