7. Luxus-Fingerhüte

Wer sich im Fingerhutmuseum Creglingen umsieht, wer Sammlungen besichtigt oder auf großen Tausbörsen zu Gast ist, der hat sie alle schon gesehen: Luxus-Fingerhüte. Wir bezeichnen als Luxus-Fingerhüte solche Stücke, die zum einen ausschließlich zu Schmuck- oder Sammelzwecken hergestellt wurden und darüberhinaus durch Material oder Herstellungsverfahren besonders hochwertig sind. Als Fingerhüte jedenfalls waren sie nie gedacht und verfügen daher in der Regel auch nie über irgendwelche Gebrauchsspuren.

fingerhut 08 11Fingerhut im Fabergé-Stil, um 1980, Ungarn, limitiert auf 800 Exemplarefingerhut 10 02Russisches Kronenmotiv, vermutlich Replika, um 1990
Da gibt es fein ziselierte massiv goldene Exemplare, da gibt es Einzelstücke oder Kleinserien von Silberschmieden aus der ganzen Welt, da gibt es Fingerhüte mit Brillanten, deren Preis jenseits von gut und böse ist. Menschen mit Geld im Überfluss mögen sich auf das Sammeln solcher Exemplare spezialisieren; für Otto Normalsammler gehören das eine oder andere Stück schon als Belegexemplar in die Sammlung. Neben dem materiellen kommt für den Sammler oft ein ideeller Wert dazu: War er lange auf der Jagd? Hat er das Schmuckstück für den berühmten Appel und das Ei auf dem Flohmarkt ergattert? Mühsam bei einer Auktion ersteigert? Oder auf dem Boden gefunden?

Bei dem links abgebildeten Fingerhut handelt es sich um ein besonders seltenes Stück mit einer interessanten Geschichte. In den 80er Jahren gab der Lindauer Antiquitätenhändler Peter J. Walter eine Serie in der Stückzahl limitierter Fingerhüte heraus. Das ist eine beliebte Methode, durch künstliche Verknappung die Preise nach oben zu treiben. Allerdings handelt es sich zumindest bei diesem Stück um ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis.

Links stehender Luxus-Fingerhut besteht aus vergoldetem Sterling-Silber, dessen Felder durch die Umwicklung mit einem Knotenfaden im Fabergé-Stil entstanden. Die Felder wurden kunstvoll mit grün changierender Farbe in einem Sternmuster emailliert. Die Stückzahl des in Ungarn produzierten Fingerhutes ist auf 800 begrenzt. Die Fingerhüte wurden von Peter J. Walter mit einem Echtheitszertifikat verkauft - dieser hier für damals 80 Mark. Inzwischen ist er (nach Walters telefonischer Auskunft im Jahr 2008) mehr als das Vierfache wert.

Das rechts stehende Exemplar ist möglicherweise eine Replika eines Fingerhuts aus dem Hausrat der russischen Zarin. Darauf zumindest lässt das Kronenmotiv schließen. Er ist aus Sterlingsilber, vergoldet, teils emailliert und sehr aufwändig gestaltet. Eine Punzierung auf dem unteren Rand lautet: 28 AC/925. Beate erstand das gute Stück im Jahr 2004 im Fingerhutverein.

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