8. Marken, Firmen und Fabriken

8.1. Settmacher

Neben dem Sammeln nach Motiven, Materialien oder Ausstattung ist auch das Sammeln von Fingerhüten nach Herstellern und Marken sehr verbreitet. Vor allem für die verschiedensten Porzellanmarken (wie Wedgwood, Meißen, Herend, Hutschenreuther, Lindner usw.) gibt es hoch spezialisierte Sammler. Auch wer bereits über größere Spezialsammlungen verfügt, kann diese noch einmal nach Herstellern splitten. Das ist vor allem dort relativ leicht, wo die Unterscheidung der Hersteller leicht fällt - zum Beispiel bei Fingerhüten aus Edelmetall (wegen der Punzierungen) und aus Porzellan (wegen der Marken).

fingerhut set 0118er Set Tombak-Fingerhüte in Originalschachtel, 20er Jahre

Marken und Punzen sind oft in umfangreichen Katalogen zusammengefasst, die sich auch im Internet nachschlagen lassen.

Auch in Beates Sammlung findet sich seit 2009 eine solche Spezialsammlung: Die der Fingerhutfabrik Settmacher aus Wien. Aus dem Nachlass einer Wirkwarenhändlerin in Österreich ersteigerte sie im Frühjahr eine ganze Reihe von Settmacher-Fingerhüten. Parallel dazu jagte sie bereits seit drei Jahren dem Buch von "Fingerhutfabrik in Wien" hinterher. Autor ist Franz Groiss, der letzte Direktor der Fingerhutfabrik. Nachstehende Angaben zur Firma Settmacher beruhen ausschließlich auf Erkenntnissen aus diesem Buch:

In der Gemeinde Penzing bei Wien gründete der damals 26-jährige Schlosser die "Metallwarenfabrik Ferdinand Settmacher". Schon in den ersten Jahren nach Firmengründung wurden Messingfingerhüte versilbert und vergoldet hergestellt...

Die Firma war ungeheuer produktiv. Bereits im Jahre 1912 gingen monatlich 700.000 Fingerhüte nur von einer Sorte nach Rußland. Rund 100 Beschäftigte zählte damals das Unternehmen. Auch die renommierten Fingerhutproduzenten dieser Zeit wie Prym, Rump, Kaiser, Gabler und Soergel & Stollmayer bekamen die Konkurrenz zu spüren.

Berühmt wurde nach dem ersten Weltkrieg der Fingerhut mit der Artikelnummer AR1 - ein Reklamefingerhut aus Aluminium, der 2,2 Millionen mal hergestellt wurde. Dennoch zählt er heute zu wichtigen Sammlerstücken. Weil die Fingerhüte Gebrauchsgegenstände waren, wurden sie am Ende ihres Lebens einfach weggeworfen. Die AR1-Hüte wurden in deutscher, englischer, französischer, spanischer, polnischer, griechischer, ungarischer, tschechischer, bulgarischer Sprache bedruckt sowie mit kyrillischer und arabischer Schrift versehen.

fingerhut 10 10Fingerhut aus oxydiertem Messing mit Kopfstein und zwei Hohlkehlen, 1900fingerhut 10 05Gebrauchsfingerhut, Kupfer, Settmacher um 1900

Die Firma Settmacher zeichnete sich durch eine enorme "Artenvielfalt" aus. Sie fertigte Massenprodukte wie Kunststoff- und Aluminiumfingerhüte und Gebrauchsfingerhüte aus Stahl ebenso wie luxuriöse Fingerhüte aus Silber und Gold. Hinzu kommen Fingerhüte mit Petit-Point-Stickerei oder mit dem sogenannten Salzburger Band, Messingfingerhüte mit Motiven wie der Olympia-Serie, oxydierte Messingfingerhüte mit Motiven aus dem englischen Königshaus, Tombak-Fingerhüte, auch versilbert und vergoldet und vieles andere mehr.

Fingerhüte der Firma Settmacher erkennt man auch an den selten verwendeten Markierungen "BS" oder "BSW". Sie wurden nicht oft vorgenommen, da die Stempelung einen Extra-Arbeitsgang erforderte, der die Fingerhüte verteuerte.

Als Franz Groiss, der letzte Settmacher-Direktor, 1990 sein Buch schrieb, wurden bei Settmacher noch in kleinerem Umfang Fingerhüte hergestellt. Die Produktion wurde dann aber eingestellt.

Im (Original-)Kästchen links oben finden sich verschieden gestaltete Tombak-Fingerhüte aus den 20er Jahren. Rechts oben ein Fingerhut aus oxydiertem Messing mit Kreuzbordüre und rotem Kopfstein mit zwei Hohlkehlen von 1900 (Art.-Nr. OXFAC).

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