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Erste Erfolge (1977-1979)

In Dresden, 1978Nie hätte ich gedacht, dass mir die Praktica L2 zwanzig Jahre lang gute Dienste leisten sollte. Aber mit meiner fotografischen Unschuld war es ab sofort und für alle Zeiten vorbei. Jeden Monat verschlang ich die "Fotografie" und das "Fotokino-Magazin" - die beiden einzigen Fachzeitschriften zur Fotografie, die in der DDR erschienen. Schon bald kannte ich die Namen erfolgreicher Fotografen der Vergangenheit und Gegenwart, aktuelle Trends in der Fotografie und der Fototechnik. Stück für Stück baute ich mir zudem eine kleine Fachbibliothek auf, die bis zur Wende auf rund 200 Broschüren, Bücher und Bildbände anwuchs - vom kleinen Heft über die richtige Filmentwicklung bis hin zu prachtvollen Bildbänden, die auch schon damals schnell mal 50 Mark und mehr kosteten und einen Großteil meines Budgets als Lehrling bei der Reichsbahn verschlangen. 1977 richtete ich mir - zum Leidwesen meiner Eltern - eine Dunkelkammer ein. Mangels eines richtigen Zimmers wurde die geräumige Küche meines Vaterhauses mit Beschlag belegt. Eine Wolldecke vor dem Fenster sorgte für die notwendige Verdunkelung, doch meist arbeitete ich sowieso abends oder nachts in der Dunkelkammer. Weil ich ziemlich früh mit dem Rauchen anfing und die Dunkelkammer aus leicht nachvollziehbaren Gründen freilich nicht gelüftet wurde, musste ich meinen Eltern ganz schön auf die Nerven gefallen sein - und danke ihnen heute für ihre Geduld!

Die Anfänge meiner "Fotokarriere" verliefen rückblickend gesehen ziemlich beschaulich. Ich fotografierte meine Mitlehrlinge, ich freute mich, die Hochzeitsfotos für eine Erzieherin in unserem Lehrlingswohnheim machen zu dürfen, war mit dem Segen meiner Berufsschule im Einsatz bei Sportfesten und durfte sogar eine fotografische Dienstreise nach Berlin machen, wo ich eine Foto-Dokumentation zu dem von den Nazis hingerichteten Kommunisten Erich Steinfurth, dessen Namen unsere Schule trug, erarbeitete. Das brachte mir eine Urkunde ein und den Ruf, "richtig" fotografieren zu können.

Voller Mut machte ich mich an meine erste eigene Ausstellung. Den Vergleich mit anderen scheute ich noch, zwei drei Beteiligungen bei den Monatswettbewerben des "Fotokino-Magazins" mal ausgenommen. Dafür zeigte ich in der "Galerie des Lehrlingswohnheims" meine Ausstellung: "Kinder sehen dich an". Das Projekt wurde zumindest von meinen Mitlehrlingen gehörig bestaunt.

Ich war fast immer Autodidakt. Mein erster Mentor war 1977-1979 der Bühnenfotograf Walter Hinghaus vom Meininger Theater. Der Mann war damals durchaus eine kleine Berühmtheit. International bekannt wurde er duch sein mehrfach preisgekröntes Porträt der französischen Chansonette Juliette Greco. Unter Hinghaus' behutsamer Anleitung verlor ich schnell die Angst vor dunklen Tönen. Eine Bildaussage zu verdichten, indem man dem Bild Informationen entzieht, stellt einer der größten Reize der Schwarz-Weiß-Fotografie dar. Die meisten fotografierten Schwarz-Weiß, weil Farbfilme sehr teuer und sehr schlecht waren. Zudem lernte ich, das Korn der Filme von hoher Empfindlichkeit ganz bewusst als Gestaltungsmittel einzusetzen.

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