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Die Umfrage wurde beendet ein: 07 Sep 2013 - 00:00

Kunst und Kunsthonig (1985-1989)

13 Bilder

Heike VII, Sagard 1986


Adagio II, Prora 1989


Der Treffpunkt, Triptychon, Berlin 1986


Skulptur, Sagard 1986


Elzbieta, Szczecin 1987


Bauer, bei Szczecin 1987


ohne Titel, Saßnitz 1988


Porträt Heide, Bergen 1988


Ausstellungseröffnung, Saßnitz 1988


Durstig, Bergen 1986


Morgens II, Hermannsfeld 1987


Sonntags II, Mönchgut 1987


Mein Vaterhaus, Hermannsfeld 1987

Ist Fotografie Kunst? Es gibt wohl kaum eine andere Frage, über die in den achtziger Jahren in der DDR unter Fotografen so leidenschaftlich gestritten wurde, wie um die, ob Fotografie Kunst sei. Ich war mittendrin und das Streiten hat wahrlich Spaß gemacht. Die Ausgangslage war dabei gar nicht so einfach. Zum einen waren bislang alle Versuche gescheitert, auf welcher Ebene auch immer, einen Kunstbegriff zu definieren. Der Grund war systemimmanent: Kultur, und damit auch Kunst, hatten gefälligst dem Sozialismus zu dienen und den Massen zugänglich zu sein. Vor allem die Auseinandersetzung mit dem sogenannten Bitterfelder Weg ab Mitte der sechziger Jahre hatten zu einem Dualismus in der Kunst geführt: Zur sogenannten Volkskunst, die die Kreativität der breiten Massen fördern sollte und zu einer elitären Kunst, die sich in den Berufsverbänden wie dem Schriftstellerverband oder dem Verband Bildender Künstler manifestierte. Die Abkapselung ihrer Vertreter war verständlich, nur mit dem Status eines Verbandsmitglieds erhielt man Zugang zum Kunstmarkt. Und Verbandsmitglied zu werden, war ein schwerer Weg, der nur über eine oft mehrjährige Kandidatur im Verband führte. Bei der Fotografie kam noch ein anderer Aspekt hinzu: Der Beruf des Fotografen war in der DDR ein ausgesprochener Handwerksberuf. So kam es gewissermaßen zu einer Dreiteilung der Fotografie in Volkskunst, Handwerkskunst und bildende Kunst. Am Ende traf man sich auf Fotoausstellungen wieder und siehe da, wie sich die Bilder ähnelten. Das führte am Ende die Teilung ad absurdum.
Dennoch hatte es die Fotografie besonders schwer, als Kunst akzeptiert zu werden. So fand sich erst in der IX. Kunstaustellung der DDR im Jahr 1982 die Fotografie als eigenständige Abteilung.
Vermutlich lag und liegt diese hohe Akzeptanzhürde an der leichten Zugänglichkeit und der damit verbundenen starken Verbreitung des Mediums.

Warum stelle ich diese Überlegungen an den Anfang gerade dieses Kapitels? Vor allem, weil es tatsächlich diese Jahre waren, in denen ich wohl den intensivsten Kontakt mit der Kunstszene in der DDR überhaupt hatte.
Aber es waren auch meine fruchtbarsten Jahre mit der Kamera. Und das habe ich vermutlich Wolf Grünke zu verdanken. Wolf Grünke gilt als Nestor der Fotografie im Bezirk Rostock. Schon im Jahr 1960 wurde ihm von der Internationalen Föderation der Kunstfotografie (FIAP) der Titel Artiste FIAP (AFIAP) verliehen. Er hob die Foto-Biennale der Ostsee-Anrainerstaaten "ifo-scanbaltic" aus der Taufe, die ein kultureller Brückenschlag im kalten Krieg wurde. Eines Tages, ich glaube es war 1983 oder 1984, packte ich einen Stapel Bilder und besuchte ihn und seine Frau Lilo in ihrer kleinen schilfgedeckten Bauernkate in Pantow auf der Insel Rügen. Wir wurden auch auf familiärer Basis sehr enge Freunde, so dass der Kontakt noch über viele Jahre nach der Wende bestehen blieb. Ich durfte Wolf 1984 helfen, den schon lange eingeschlafenen "fotoclub binz" wieder zu reanimieren. Gemeinsam arbeiteten wir auch in der Kreiskommission der Gesellschaft für Fotografie. Er lehrte mich vor allem durch seine beharrliche Bildkritik, zu einer eigenen Bildersprache zu finden. Wolf Grünke starb im Jahre 1996.

In die Jahre 1985 bis 1989 fielen auch meine größten Ausstellungserfolge: Meine Bilder wurden in Polen, der Sowjetunion, in Jugoslawien und in Frankreich gezeigt. Besonders freute ich mich, als bei der Venus '89, dem Grand Prix für Akt und Porträt im polnischen Kraków, der Akt "Adagio II" gezeigt wurde. Den Sprung in die international stark besetzte Ausstellung schafften nur zwei DDR-Fotografen. Da war ich schon mächtig stolz ...

Ach ja: Ich selbst habe die Frage nach der Fotografie als Kunst in Diskussionsrunden, auch in öffentlichen, stets bejaht,: Wenn das Medium Fotografie in der Lage ist, Kunst zu transportieren und wenn das Individuum hinter der Kamera in der Lage ist, Kunst zu schaffen, dann kann die das einzelne Foto auch ganz selbstverständlich Kunst sein. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass jedes Foto Kunst ist und es bedeutet noch lange nicht, dass jeder, der eine Kamera halten kann, ein Künstler ist.

Und warum die Überschrift dieses Kapitels? Nun, ich war in dieser Grundsatzdiskussion oft ein rechter Hitzkopf. Und bei einer Ausstellungseröffnung in Rostock gab es ein nettes Forum, dem sich "Kulturbundfotografen" (wie ich) und "richtige Künstler" den Fragen der Gäste stellten. Einer der Besucher fragte nach dem Unterschied zwischen Fotografie und Kunstfotografie. Ich antwortete: "Sehen Sie, sie kennen doch Kunsthonig ..." Natürlich hatte ich die Lacher auf meiner Seite. Eines der anwesenden Mitglieder des Verbandes Bildender Künstler hat daraufhin nie wieder ein Wort mit mir gewechselt. Sorry, Siegfried ...!

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