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Sardinien 2012

Die 28. Reise führte uns im September 2012 mit unserem Felix nach Sardinien. Wir hatten uns lange drauf gefreut und die Fähre im Frühjahr schon gebucht.
Wir kletterten auf den Bärenfelsen, besuchten mit der Costa Smeralda die Küste der Reichen und Schönen, fuhren durch die Wüste und Bachfurten, übernachteten in der Geisterstadt Funtanazza mit vielen Gleichgesinnten, kauften bei Meister Paolo Pusceddu ein sardisches Taschenmesser, verirrten uns auf der Insel Antioco, sahen Flamingos und jede Menge Feigenkakteen, badeten an der Costa Rei mit ihrem schneeweißen Sand und staunten über die Wandmalereien im Banditendorf Orgosolo hoch in den Bergen der Supramonte.

Statistik: 22 Reisetage (Gesamt 186); 3523 Kilometer (26.952). Übernachtungen: 5 Stellplätze (76), 12 Campingplätze (45), 4 mal Freisteher (31). 3 Pässe (13), 2 Fähren (5).

 

Unserer eigentlichen Sardinien-Reise vorgeschaltet waren zunächst ein paar Tage in Parma (2.-4. Tag), der Stadt, in der ich 2011 für ein paar Wochen leben und arbeiten durfte. Wir besuchten die Nationalgalerie und das Teatro Farnese, wir bummelten durch den herzoglichen Park und natürlich besuchten wir die Redaktion der "Gazzetta di Parma", wo wir ausgiebig mit den "alten" Kollegen schwatzten. Nachdem wir unsere Vorräte an Parmaschinken und -käse aufgefüllt hatten, ging es nach Südwesten über die Autobahn nach La Spezia und von dort bis nach Livorno, direkt in den Hafen (4. Tag).
In den Hafen von Livorno kommt man mit seinem Fährticket, allerdings wird die Zufahrt recht willkürlich geregelt. Unsere Fähre legte gegen Mittag ab, und wir durften zwar schon im Hafen übernachten, wurden aber erst nach 20 Uhr eingelassen. Dann fanden wir nur noch einen Platz ganz im Eck des Stellplatzes, und direkt neben einem Kreisverkehr, über den die Fahrzeuge der ankommenden Fähren aus dem Hafengelände rollten. Nun, wir hatten Glück, es kam nur eine Fähre an, aber die kam kurz vor Mitternacht und so eine Fähre fasst bis zu 1800 Fahrzeuge. Rund anderthalb Stunden dauerte es, bis das Dröhnen und Scheppern neben uns verebbte.
5. Tag: Die Fähre selbst ist riesig, noch größer als der Kreuzfahrer, mit dem wir 2004 von Savona aus in See stachen. Wir suchten uns ein Plätzchen wechselweise auf dem Sonnendeck und in der Spaghetteria, da wir für die sechsstündige Überfahrt keine Kabine buchen wollten. Es zog sich, aber irgendwann liefen wir dann doch in Golfo Aranci ein. Ein Tipp für Sardinienfahrer: Die Fährpassage mit Zielhafen Golfo Aranci ist im Regelfall wesentlich preiswerter als die nach Olbia. Doch der Übernachtungsplatz in Hafennähe, den wir als Geheimtipp erhalten hatten, war nicht zu finden und so rollten wir ein Stück in Richtung Costa Smeralda und übernachteten im empfehlenswerten Camping-Dorf Cugnana, das mit einem riesigen Pool glänzte (Foto ganz oben), den man zu unserer Reisezeit Mitte September fast für sich hatte.

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Blick auf die Hafenanlagen von Porto Cervo, im Vordergrund die Kirche Stella Maris.

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Klaus im Hafen von Porto Cervo.

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Bulgari und Louis Vutton betreiben in Porto Cervo ihre "Dorfläden".

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Blick vom Campingplatz Capo d'Orso auf die Costa Smeralda.

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Ver- und Entsorgung auf dem Campingplatz Capo d'Orso.

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Am Capo d'Orso mit seinen Tafoni-Felsen erwartet den Besucher ein steiler Aufstieg und im Gegenzug ein unvergleichlicher Ausblick

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Blick vom Capo d'Orso aus auf den maddalenischen Archipel.

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Immer wieder schieben sich die Tafoni-Felsen in die Landschaft. Hier am Capo d'Orso.

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Felix auf dem Parkplatz am Capo d'Orso. Direkt vor dem Fahrerhaus wachsen die Opuntien.

Am nächsten Morgen (6. Tag) fuhren wir die Costa Smeralda entlang, die Küste der wirklich Reichen und vermeintlich Schönen. In Porto Cervo, einer kleinen Hafenstadt die mit viel Geld und künstlich "auf alt" getrimmt wurde, hat es uns besonders der Hafen angetan. Yachten für ein oder zwei Millionen Euro mussten da mit dem "normalen" Hafen vorlieb nehmen. An dem für niemandem mehr zugänglichen gesperrten Kai lagen unter anderem die mehrstöckige "Sarafsa" und die "Dilbar". Erstere gehört einem saudischen Prinzen, letztere  kostet 263 Millionen Dollar und gehört einem russischen Unternehmer. Fotos obere Reihe von links: Die Kirche Stella Maris in Porto Cervo, im Hintergrund ist die "Sarafsa" zu erkennen; Klaus im Touristenhafen, im Hintergrund die "Ocean Pearl"; Läden von Louis Vutton und Bulgari im "historischen" Ortskern.

Unseren Stellplatz bezogen wir auf dem Campingplatz Capo d'Orso, ungefähr zwei Kilometer vom berühmten Bärenfelsen entfernt (Fotos mittlere Reihe). Dort stand man direkt am Meer, mit kleinen Buchten, die man fast für sich alleine hatte, aber steinigem Strand.


 

Am 7. Tag checkten wir gleich nach dem Frühstück aus und fuhren zum Capo d'Orso selbst. Besser gesagt, zu der bizarren Felsformation, die dem Kap ihren Namen gab und von einem kleinen Parkplatz aus (unten rechts) einen steilen Aufstieg erforderte. Das stark verwitterte und immer wieder anders geformte Granitgestein, das so typisch für die Nordküste Sardiniens ist, heißt Tafoni (untere Reihe). Vom Bärenfelsen aus, der aus unmittelbarer Nähe gar nicht mehr als solcher zu erkennen ist, hat man einen unvergleichlichen Ausblick über die Inseln des maddalenischen Archipels bis hin zur Südspitze von Korsika.

Der 7. Tag selbst wurde für uns zu einem typischen Fahrtag. Doch zunächst gab es ein Souvenir: Beim Ausrangieren auf dem schönen terrassierten Platz quetschte mich Beate beinahe zwischen Hang und einem Eukalyptusbaum ein - eine lange Spur Eukalyptus-Schmiere an der Markise begleitete uns durch den ganzen Urlaub. Aber das soll ja gut gegen die Mücken sein. Am Abend standen für uns 140 Kilometer auf dem Tacho und wir landeten an einer ganz anderen Stelle als vorgesehen. Zunächst besuchten wir das Capo d'Orso (s.o.). Weil es sehr windig war, verzichteten wir auf eine Bootsfahrt durch den maddalenischen Archipel, die wir uns eigentlich fest vorgenommen hatten. Auch San Teresa Gallura wird einer späteren Reise vorbehalten bleiben. Stattdessen fuhren wir an der Nordwestküste in Richtung Süden (oben links und mitte) bis Castelsardo. Wir suchten uns einen großen Parkplatz am Ortsrand (oben rechts) mit einer fantastischen Aussicht auf die Altstadt (mitte links), die sich hoch über dem Meer an das Kastell schmiegt. Die Stadt mit knapp 6000 Einwohnern ist unter anderem für ihre Korbwaren berühmt, die man in der Altstadt auch an jeder Straßenecke kaufen kann. Ein langer Spaziergang bis hoch auf das Castell lohnte sich genauso wie der Espresso in der kleinen Bar mit dem wunderbaren Meerblick (unten links.)

 

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Felix auf der Küstenstraße zwischen Santa Teresa Gallura und Castelsardo.

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Auf der Küstenstraße zwischen Santa Teresa Gallura und Castelsardo.

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Stipvisite in Castelsardo. Die Altstadt thront auf einem Felsen rings um das Kastell. Felix auf einem Parkplatz in der Neustadt.

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Blick auf die Altstadt von Castelsardo.

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Straßenszene in Castelsardo, Aufgang zur Altstadt.

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Korbwaren in der Altstadt von Castelsardo.

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Ausblick von einem Café in der Altstadt von Castelsardo.

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In den Straßen von Castelsardo.

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Den Elefanten-Felsen (Roccia dell Elefante) in der Nähe von Castelsardo hat die Natur geformt.

Der Nachmittag neigte sich seinem Ende zu. Wir aber suchten noch fieberhaft nach dem Roccia dell' Elefante, eine Felsverwitterung mit den Umrissen eines Elefangen, die an einer kleinen Stichstraße in Richtung Sedini liegt. Achtung: Die vielen Händler an der Straße sind nicht aufdringlich, aber beidseits herrscht ein Parkverbot, das man einfach ignorieren muss. Einen Parkplatz in der Nähe der Touristenattraktion gibt es nicht.
Wir rollten weiter bis Marina di Sorso, wo wir am frühen Abend auf dem Capingplatz Li Nibari Station machten - einem angeblichen Vier-Sterne-Platz, der den Eindruck machte, als wollte man ihn verrotten lassen. Das lag nicht nur am Saisonende. Der Zustand der Sanitäranlagen mit teils dicken Rost- und Dreckschichten sowie eine Art kleiner Wohnwagen-Friedhof verstärkten den ungastlichen Eindruck. Auch das Restaurant auf diesem besseren Parkplatz hatte längst geschlossen. Wir blieben im vorderen Bereich und erfreuten uns der Nachbarschaft eines Berliner Pärchens mit Wohnmobil und eines älteren französischen Herrn, der allein mit Motorroller und winzigem Bergzelt Sardinien erkundete.


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Der angebliche Vier-Sterne-Platz La Nibari bei Marina di Sorso: Miserable Sanitäranlagen, Pool und Restaurant geschlossen.

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Der Blick morgens beim Aufwachen ... das hat schon was.

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Wo, bitteschön, geht es hier nach Afrika?

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Im Golfo dell' Asinara - die Prinzessin mit der Schaumkrone.

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Ein Vogel im Sand. Gut, der Vogel war jetzt schon weg.

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So muss die Pampa aussehen: Die Hochebene von Campeda.

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Von Guspini aus geht es 28 Kilometer über menschenleere Straßen durch die Berge der Arburese.

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Blick vom Torre dei Corsari auf eine Badebucht - die Punkte rechts unten sind Menschen.

Natürlich zog es uns am nächsten Morgen (8. Tag) zunächst ins Meer. An der Westküste Sardiniens waren wir noch noch nicht geschwommen. Den Strand hatten wir zunächst fast für uns alleine und auch der Wellengang ließ ein ausgiebiges Bad zu. Doch lange hielt es uns nicht, wir wollten ja ohnehin nicht auf dem hässlichen Stellplatz bleiben. So machten wir wieder Strecke, verschoben den Besuch in Osilo auf einen anderen Urlaub, ließen Oristano rechts liegen und quälten uns von Guspini aus über kurvenreiche und schwer zu fahrende Bergsträßchen 30 km durch eine Bergwelt, die so einsam war, wie wir sie vorher nie gesehen haben. In Porto Palma tranken wir am Korsaren-Turm unseren Kaffee, fuhren wieder ein Stück zurück und wagten uns auf eine Schlagloch- und Schotterpiste, die mit dem klaren Verbotsschild als Privatstraße gekennzeichnet war. Doch wir wollten unbedingt Funtanazza kennenlernen. Das ist eine aufgelassene Feriensiedlung, die wie eine Miniatur-Ausgabe des "Koloss von Prora" anmutet und die nach Francesco Sartori benannt wurde. Natürlich nicht nach dem Komponisten von "Time to say Goodbye", der war noch nicht mal geboren, als die Anlage von der Minengesellschaft "Blei und Zink" in Montevecchio 1956 eröffnet wurde. Die Minen stellten 1991 den Betrieb ein, die Anlage blieb sich selbst überlassen, ist teils zugewachsen, teils vom Meer unterspült, teils eingestürzt. Doch die Bucht ist traumhaft und wir erlebten, dass Dutzende von Campern und Tagesgästen sich ebenfalls an dem Schild "Privatstraße" nicht störten.
Wir blieben zwei Tage. Gleich am ersten Abend schnappten wir uns eine Flasche Wein, zwei Gläser und eine Wolldecke und kletterten zur Bucht runter, wo wir es uns wohl sein ließen. Am zweiten Tag schwammen wir in den Sonnenuntergang. Lesen, Fotografieren und Strandspaziergänge sorgten für Erholung.

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Rotwein im Abendlicht; wir sind in Funtanazza angekommen, wo es gar nicht so menschenleer ist, wie der Begriff "Geisterstadt" vermuten lässt.

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Sonnenuntergang an der Costa Verde.

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Mit dem würde ich gerne mal fahren, nur nicht an die Tankstelle.

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Felix am illegalen Stellplatz von Funtanazza.

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Blick auf die Bucht von Marina di Arbus.

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Südlich von Marina di Arbus beginnt Sardiniens Wüste, durch die nur ein einziger befahrbarer Weg führt.


 Am 17. September sollte es weitergehen. Wir haben lange überlegt, ob wir wirklich den Weg durch das Tal des Riu Piscinas nehmen. Das ist eine pure Geländepiste, die direkt durch die dortige Wüste führt - nur Sand und Macchiata. Gewarnt waren wir durch den Reiseführer vor zwei Bachfurten, die bei Trockenheit und vorsichtiger Fahrweise noch zu bewältigen, bei Regenwetter jedoch nicht einmal für Geländefahrzeuge passierbar. Wir entschieden uns, das Wagnis einzugehen.
Für die 18 Kilometer benötigten wir anderthalb Stunden Fahrzeit. Und wir schwitzten nicht nur der hohen Temperaturen wegen. Dabei blieb ich erstaunlicherweise ziemlich ruhig. Nur einmal fasste mich die Panik sanft an: Als ich ein besonders steiles Stück hinunterfuhr freute ich mich, dass es bergab ging. Bergauf, so merkte ich, hätte ich das nicht geschafft. Auf halber Höhe dann fragte ich mich, was ich eigentlich mache, wenn es auf der anderen Seite ebenso steil bergauf gehen würde. Die Bachfurten machten sogar richtig Spaß, nur an einer Auffahrt kamen wir dann doch ins Schwitzen, als unser Felix stecken blieb und ich bei Gegenverkehr gute 20 Meter die schmale Geländepiste rückwärts musste. Irgendwie waren wir froh, als wir dann mitten in einer Geisterstadt mit lauter verlassenen Minenanlagen und Wohnhäusern mit leeren Augenhöhlen wieder Asphalt unter die Räder bekamen.
Wir schlängelten uns noch kilometerweit bergauf, bis wir nach Arbus kamen, einer Stadt, die seit jeher als Zentrum der sardischen Messerschmiedekunst gilt. Wir besuchten den Messerschmied, Bildhauer und Maler Paolo Pusceddu, der auch ein Messermuseum betreibt, und natürlich musste ich mir ein Taschenmesser kaufen.
Bei der Weiterfahrt nach einem kleinen Stadtbummel lernten wir: Das Leben ist eine Kurve. Sardinien sowieso. Wir rollten 80 Kilometer nach Süden, immer durch die Berge der Iglesiente, und es reihte sich 80 Kilometer lang Kurve an Kurve, und das auf zumeist relativ schmalen Straßen.
Unser Ziel war Portoscuso, die kleine Hafenstadt an der Südwestspitze von Sardinien, direkt der Insel San Pietro gegenüber.

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Südlich von Marina di Arbus beginnt Sardiniens Wüste, durch die nur ein einziger befahrbarer Weg führt.

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Eine der zwei Bachfurten in den Piscinas.

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Im Bergstädtchen Arbus.

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Siesta in dem kleinen Fischgeschäft in Arbus. Man beachte die schöne Illusionsmalerei.

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Kurven und Opuntien waren unsere Begleiter durch die schier endlosen Berge der Iglesiente in Richtung Süden.

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Im Hafen von Portoscuso. An dieser Stelle haben wir dann auch gleich übernachtet.

Die Stadt mit gerade mal 5000 Einwohnern empfing uns mit herrlichstem Sommerwetter. Wir parkten unter Palmen direkt am Hafen (Bild oben) und erkundeten die Gassen. Wie in italienischen Küstenstädten üblich, ist der Hafen das Zentrum des Ortes. Zwei Straßen weiter fanden wir eine winzige Bar mit Plastikstühlen und alten Männern im Unterhemd davor. Hier kostete uns der (gut gefüllte) Spritz gerade mal drei Euro. Wir dachten an die neun Euro, die man im Dresdner Zentrum von uns verlangt hat, an die Klischees vom "teuren Sardinien", und hatten schon einen kleinen sitzen, als wir uns auf die Suche nach einer Pizza machten.
Der Morgen darauf brachte uns schlechte Nachrichten aus der Familie, so dass wir unseren geplanten Ausflug hinüber auf die Insel San Pietro zum Thunfischessen in Carloforte vom Programm strichen. Stattdessen kurvten wir ein Stück in Richtung Südosten und fuhren auf die Insel Antioco, wo uns ein Funkloch und Einsamkeit erwarteten. Aber was heißt "fuhren". Zunächst verfuhren wir uns, und zwar mehrfach. Auf Straßen, die buchstäblich ins Nichts führen und auf Stellplätze, die keine sind - schattenlos in sengender Sonne und mit einem als "Service-Bereich" deklarierten Dixie-Klo. Am Ende landeten wir eher durch Zufall auf dem Camingplatz Tonnara, einem idyllischen Stückchen Erde genau zwischen Komfort und Einsamkeit. Dort blieben wir für drei Nächte.

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Im Hafen von Portoscuso. An dieser Stelle haben wir dann auch gleich übernachtet.

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Gut gefüllt werden die Gläser in der kleinen Bar in Hafennähe (Portoscuso).

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In den Straßen von Portoscuso.

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Der Hafen von Portoscuso im Abendlicht.

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Abendlicher Bummel durch den Hafen von Portoscuso.

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Auf den winzigen Nebenstraßen der Insel Sant Antioco ist Begegnungsverkehr annähernd unmöglich.

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Pure Idylle in der Bucht von Tonnara.

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Libelle in der Bucht von Tonnara.

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Schiff vor der Südspitze der Insel.


Am 21. September, dem 14. Tag unserer Reise, verließen wir dieses idyllische Fleckchen Erde wieder. Bei der Fahrt auf der schmalen Landzunge zwischen der Insel Antioco und Sardinien selbst sahen wir unser ersten (und einzigen) Flamingos. Sie standen gut dreihundert Meter weit weg in einem der vielen Stagnos, der flachen Seen, die zum Teil der Salzgewinnung dienen. Leider vergeigte ich die Fotos. Wir ließen die Küste Küste sein und fuhren zügig über die Autobahn in Richtung Cagliari. Auch für die Inselhauptstadt (156.000 Einwohner) gilt: Der Hafen ist das Zentrum der Stadt. Und so führen auch die Autobahnen direkt bis in den Hafen, von wo aus sie über kunstvolle Überflieger, Schleifen, Brücken und Brückchen den Verkehr in die einzelnen Häfen bzw. die Stadt verteilen. Es kostete uns eine Menge Schweiß und Nerven, bis wir den großen Parkplatz neben dem Busbahnhof gefunden hatten. Das Zentrum von Cagliari - vom Hafen aus geht es fast überall bergauf - ist wildromantisch. Man sieht den maurischen Einfluss, man spürt das rastlose Leben und wähnt sich doch eher in einer Kleinstadt. Einen Imbiss und einen Stadtbummel weiter fahren wir wieder raus, folgen den Schnellstraßen bis Flumini und wollten von dort eigentlich auf der Küstenstraße bis an die berühmte weißsandige Costa Rei folgen, geben aber nach wenigen Nestern entnervt auf und nehmen wieder die Schnellstraße SS25 in Richtung Muravera, bis wir in Richtung Capo Ferrato abbiegen können.
Hier erleben wir etwas, was wir nach den bisherigen Sardinien-Erfahrungen nie erwartet hätten: Der Campingplatz ist restlos ausgebucht. Wir müssen uns gegen ein paar aufmüpfige Bayern wehren, die mit ihrem Campingbus nach uns eintrafen und glaubten, durch eine große Klappe den Nachteil der späten Ankunft ausgleichen zu können. Wir bekamen Quartier zwischen zwei großen Zelten, in denen eine Schweizer Familie neben und eine Schweizer Großfamilie vor uns das Camp bezogen hat. Für mich eine ideale Gelegenheit, beim Lesen, Dösen oder Weintrinken Menschen zu beobachten. Der Strand war wunderbar: Weiß, glühend heiß (bis 33 Grad im Schatten am 23. September) und mit ordentlich Wellen, so dass wir nur mit der kleinen wasserdichten Kamera Bilder schießen konnten. Erstaunlicherweise konnten wir uns trotz der "Überfüllung" gut erholen. Wir strichen alle weiteren Besuchspläne mit Ausnahme von Orgosolo, rechneten die Strecke bis zur Abfahrt der Fähre aus und blieben drei Nächte.

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Die gleichnamige Inselhauptstadt von Sant Antioco lieg - natürlich - direkt am Meer.

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Das Herz von Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens, schlägt im Hafen. Von dort aus führen steile Straßen in die Innenstadt.

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Cagliari: Die öffentliche Treppenanlage am Stadthaus ist aus Marmor, daneben ein Privathaus.

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Moderne Brücke auf der Schnellstraße östlich von Cagliari.

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Sardinien im September: Verbrannte Erde, die als karges Weideland dient.

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Die Costa Rei mit ihren weißen Sandstränden ist vielleicht die schönste Küsten im Osten Sardiniens.

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An der Costa Rei in der Nähe des Capo Ferrato.

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Für Nichtschwimmer ist die Küste allerdings der Wellen wegen ungeeignet.

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Badespaß an der Costa Rei.


 

Am 17. Tag brachen wir in Richtung Norden auf. Wir hatten uns ein ordentliches Fahrpensum zurechtgelegt und wollten uns viel Zeit in Orgosolo lassen. Doch zunächst ging es Richtung Norden entlang der Küste, bevor wir ins Landesinnere abbogen. Die Auffahrt nach Lanusei und vor allem die Ortsdurchfahrt wurden zu einer echten Herausforderung. Die Straßen waren noch steiler und noch schmaler, die Kurven noch enger als an Tag 8 in Richtung Funtanazza. Über eine schier endlose und menschenleere Hochebene ging es nach Nordnordwest in Richtung Orgosolo.
Das Dorf kultivierte die im Kampf gegen verschiedene Eroberer entstandene Banditenkultur. Jahrzehntelange Familienfehden, Plünderungen und Blutrache waren noch im letzten Jahrhundert auf der Tagesordnung. Nachdem Anfang der 60er Jahre ein britisches Touristenpaar entführt wurde, rückten Carabinieri und die Armee gegen die Banditen vor - und lieferten sich mit ihnen einen fast zehn Jahre währenden blutigen Kampf. Uns war schon ein wenig mulmig, zudem Orgosolo weit abseits der großen Touristenströme liegt. Denn abseits der Banditen ist Orgosolo berühmt für seine Murales - die ausdrucksstarken Wandmalereien im gesamten Ort.
Und die sind nicht zu übersehen. Vor allem die unerschrockene Behandlung politischer Themen beeindruckte uns. (In Reihenfolge der Fotos:) Ob das Massaker auf dem Tian-an-men-Platz oder das im Gaza-Streifen, ob der 11. September oder der Widerstand der Orgolesen gegen die Pläne eines Nato-Übungsplatzes auf ihren Weidegebieten oder auch die annähernd perfekte Illusionsmalerei. Es gibt eine fast kubistische Wiederbegegnung mit Marx und Engels und eine Büste Helmut Schmidts, der daneben in Anspielung auf die RAF-Häftlinge in Stammheim als "Experte in Sachen Selbstmord durch den Staat" bezeichnet wird. Und hinter den bekannten Köpfen von Marx, Engels und Lenin lugt Palmiro Togliatti hervor, der italienische Kommunistenführer, nach denen die Sowjets eine ganze Stadt benannten, in der sie in Gestattungsproduktion den 124er Fiat als Shiguli, später Lada, herstellten. Felix übrigens parkte vor dem jungen Ernesto "Che" Guevara, bevor wir ihn wieder durch die Berge der Supramonte in Richtung Küste lenkten.

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In den Bergen der Gennargentu ein typisches Bild für Sardinien: Einsame Schnellstraßen durch karges Land.

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Dürre Kühe suchen die letzten Halme auf dem Weideland bei Orgosolo. Für das opulente Wildschwein auf der anderen Straßenseite war ich mit der Kamera nicht schnell genug.

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Stadtansicht von Orgosolo.

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Die berühmten Wandmalereien (Murales) in Orgosolo.

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Wandmalerei in Orgosolo: Der Tod des 12-jährigen Mohammed al-Dura 2000 im Gaza-Streifen.

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Wandmalerei (Murales) in Orgosolo.

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Am berühmten Foto-Studio Kikinu wird an das Geschehen vom 11. September 2001 erinnert.

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Mädchen in Schuluniform vor der Wandmalerei Rinascita (Wiedergeburt), die dem Widerstand der Orgolesen gegen die Errichtung eines Nato-Stützpunktes auf ihrem Weideland gewidmet ist.

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Illusionsmalerei in Orgosolo: Welche der Damen ist echt?

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Wandmalerei in Orgosolo: Ein Wiedersehen mit Marx und Engels.

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Blick über die Dächer von Orgosolo in die Berge.

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Helmut Schmidt wird auf dieser orgolesischen Wandmalerei als Experte in Sachen "Selbstmord durch den Staat" bezeichnet.

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Wandmalerei in Orgosolo: Marx, Engels und Lenin werden von Palmiro Togliatti beäugt.

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Wohnmobil Felix wurde in Orgosolo von Ernesto Che Guevara bewacht.

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Durch die Berge der Supramonte geht es wieder der Küste entgegen.


 

Am Abend fanden wir auf dem Campingplatz Sa Prama bei Cala Liberotte am Nordrand des Golfo di Orosei ein schönes Quartier. Dabei ließen wir zwar einen Geheimtipp (ein Stellplatz an einer einsamen und schattigen Flussmündung) quasi links liegen, aber es drängte uns wieder in Richtung Fähre, die wir aufgrund der Nachsaison auf keinen Fall verpassen durften, sonst würden wir noch Tage auf der Insel hängenbleiben. Wir gingen abends noch einmal im Meer baden und hatten eine erholsame Nacht vor uns.
Beim Auschecken am nächsten Morgen trafen wir auch auf einen Thüringer, der sein Euramobil "Greenliner" getauft hat. Die Kosten für die wirklich schicke grüne Folierung, so verriet er uns, liegen bei 8000 Euro.
Wir wollten zu einem Gammeltag auf den gut hundert Kilometer nördlich gelegenen Campingplatz Cugnana aufbrechen, dessen Pool uns bei der ersten Sardinien-Übernachtung so fasziniert hatte. In Siniscola ekrundeten wir die Innenstadt und kauften ein. Unterwegs sahen wir, wie die von den schweren Waldbränden im April heimgesuchte Natur sich Stück für Stück die verbrannte Erde zurückerobert. Im Vorbeifahren lugten wir nach dem Hafen von Olbia und - flüchteten schließlich aus Cugnana. Dort wollte man uns denselben Preis wie vor zwei Wochen abknöpfen: ohne Bar, ohne Restaurant, ohne Service und vor allen Dingen ohne Pool. Im Wald liegen konnten wir auch preiswerter, nein danke. Wir fanden Unterschlupf in dem fast leeren Campingdorf Golfo di Arzachena, das wir uns bei kompletter Infrastruktur, also auch mit Pool und Restaurant, mit zwei weiteren Paaren und etwas Personal teilten. Dort machten wir auch Bekanntschaft mit süßen Katzen. Der morgendliche Ausblick ging über eine Pferdekoppel bis auf die Berge, die uns vom Abfahrthafen Golfo Aranci trennten. In der Einsamkeit des Platzes verdösten wir einen kompletten Tag zwischen Pool, Spaziergang und Mittagsschlaf, um am nächsten Morgen, dem 20. Tag unserer Reise, nervös und überpünktlich als erste (!), wie das Bild beweist, im Hafen standen und das noch leere Schiff der Sardinia Ferries bestaunten.

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Dieses integrierte Eura-Mobil haben seine Greizer Besitzer komplett mit grün-schwarzer Folie bekleben lassen.

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Zwischen Siniscola und Olbia kämpft sich die Natur durch die Wunden zurück, die die schweren Waldbrände vom April 2013 geschlagen haben.

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Im "Vorbeiflug": Fährschiffe der Moby Line im Hafen von Olbia.

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Mit ausgesprochen süßen Miezen freundeten wir uns auf dem Campingplatz Golfo Arzachena an.

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Campingplatz Golfo Arzachena: Wir waren fast die einzigen Gäste.

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Campingplatz Golfo Arzachena: In der Nachsaison hat man den Pool annähernd für sich.

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Was für ein Anblick am Morgen - direkt vor der Haustür.

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Wir waren die Ersten! Im Fährhafen von Golfo Aranci.

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Die Mega Express der Sardinia Ferries. Hier wussten wir noch nicht, dass uns ein paar abenteuerliche Rangiermanöver bevorstanden.

Da wussten wir noch nicht, dass wir beim Boarding noch sechseckige Schweißperlen auf die Stirn bekommen würden: Zunächst war unsere Warteschlange als letzte dran. Dann beschied mir ein Einweiser, ich müsse erst drehen, um dann rückwärts aufs Schiff zu fahren -- der Überhang von Felix war zu groß, so dass ein Aufsetzen drohte. Kaum stand ich rückwärts an der Rampe, kam das Kommando zurück: Ich sollte auf die Nachbarrampe fahren, und zwar über zwei Spuren ganz schräg, um nicht aufzusetzen. So weit, so gut. Auf dem Schiff dann musste ich zwischen den Pfeilern wenden und mich rückwärts an das nächste Mobil kuscheln. Glücklicherweise waren die Einweiser alle verantwortungsbewusst und übergaben mich immer erst dann an ihre Kollegen, wenn ich auch Augenkontakt hatte.
Die Überfahrt selbst gestaltete sich sehr langweilig. Wegen widriger Winde (es schaukelte ganz schön), brauchten wir 8 h 15 min, statt der üblichen sechs Stunden. Als wir in Livorno wieder von Bord fuhren schön langsam und schräg, nachdem vor uns schon ein Bus aufzusetzen drohte, war es schon dunkel. Im Übringen war es bei der Ankunft 10 Grad kühler als im 28 Grad warmen Golfo Aranci. Doch es war schon Donnerstag, und wir wollten unbedingt Samstag wieder Zuhause sein. Also fuhr ich über die nächtliche Küstenautobahn via Pisa und La Spezia und von dort über den nordwestlichen Appenin bis nach Parma.
Was blieb, waren noch zwei reine Fahrtage, und auch die mit Stress. Denn die Inntal-Autobahn in Österreich war vom Transitforum Austria blockiert, und zwar in beide Richtungen. Angesagt wurden 10 Kilometer Stau plus eine Stunde Zeitverlust auf der Umfahrungsstrecke. Also bogen wir in Innsbruck in Richtung Westen ab und quälten uns zum zweiten Mal über den Seefeld-Sattel und dann die landschaftlich eigentlich viel schönere Strecke über Garmisch-Partenkirchen und dann bis Augsburg.
Am letzten, dem 22. Reisetag, ging es ohne Aufenthalt nach Hause zurück.

Die mit 3523 Kilometern bisher längste Reise lag hinter uns. Dabei fuhren wir allein auf Sardinien 1155 Kilometer. Weil wir diesmal entgegen unseren Gewohnheiten sehr viele Campingplätze nutzten, stiegen die Übernachtungskosten plus Nebenkosten auf 306 Euro an (13,91 Euro pro Nacht).
Wo wird uns die nächste Fahrt hintragen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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